Interviews

Selma Sona Gerstenberg denkt Erfolg anders

Viele Menschen wirken nach außen ambitioniert, talentiert und voller Möglichkeiten. Sie besuchen Weiterbildungen, sammeln Wissen, planen den nächsten Schritt und treten trotzdem seit Jahren auf derselben Stelle. Nicht, weil ihnen Potenzial fehlt. Sondern weil tief im Hintergrund etwas gegen ihre eigene Größe arbeitet.

Selma Sona Gerstenberg spricht über genau diese unsichtbaren Blockaden. Über Glaubenssätze, die erfolgreicher wirken als jede Strategie. Über Menschen, die sich selbst kleinhalten, obwohl sie längst bereit wären für mehr. Und über die unbequeme Wahrheit, dass nicht fehlendes Wissen das Problem ist, sondern die Angst davor, wirklich sichtbar zu werden.

Interview mit Selma Sona Gerstenberg

Interview Selma Sona Gerstenberg

Warum blockieren sich viele Menschen selbst, obwohl sie eigentlich großes Potenzial hätten?

Dafür gibt es mehrere Ursachen und viele davon sind den Betroffenen nicht bewusst. Ein zentraler Punkt ist die „unbewusste Kompetenz“:

Viele nehmen ihre besonders ausgeprägten Fähigkeiten oft als selbstverständlich wahr, weil ihnen diese leichtfallen. Sie denken: „Das ist doch ganz natürlich.” oder „Das ist nichts Besonderes, das können doch alle.“ Genau dadurch erkennen sie ihr eigenes Potenzial nicht als wertvoll und nutzen es nicht gezielt für ihr Business.

Hilfreiche Fragen, um die eigene, unbewusste Kompetenz bewusst wahrzunehmen, sind:

  • Wo sage ich “einfach”? Z.B. „Dann habe ich einfach den Workshop gemacht.”
  • Was mache ich “mal eben”? Z.B. „Klar, ich konzipiere kurz das Konzept und dann können wir es gleich umsetzen.”
  • Wobei fragen mich andere zuerst um Rat? Z.B. „Da habe ich sofort an dich gedacht. Kannst du mir dazu mal eben dein Feedback geben?”
  • Wofür kommen andere zuerst zu mir? Z.B. „Da musste ich natürlich zuerst an dich denken. Hast du kurz Zeit für mich?”
  • Was wiederholt sich typischerweise in den Feedbacks, die ich von anderen erhalte? Dafür kannst du achtsam hinhören oder z.B. KI-Systeme deine öffentlichen Bewertungen auswerten lassen.

Ein weiterer Faktor für Blockaden trotz Potenzials sind innere Limitierungen wie „Ich bin immer noch nicht gut genug“.

Das führt dazu, dass sich manche in noch mehr Theorie wie Weiterbildungen verlieren, statt ins Handeln zu kommen und ihr Wissen in der Praxis auch zu nutzen.

Nicht in die Umsetzung zu gehen, schützt vor Misserfolg und Erfolg. Manche legen viel Wert auf äußere Bestätigung und haben Angst vor Misserfolg und dass andere sie als Hochstapler:innen oder Versager:innen bewerten.

Manche haben aus Angst vor ihrer Größe Angst vor Erfolg, z.B. wenn sich Erfolg nicht sicher anfühlt, mit der Angst, von der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden, weil Zugehörigkeit zur Gemeinschaft in früheren Zeiten überlebensnotwendig für uns war.

Die erste Unternehmerin in einer Arbeiterfamilie oder die Unternehmerin mit narzisstischem Partner, die sich schützen will, indem sie nicht erfolgreicher als ihr Partner wird.

Gleichzeitig fehlt teilweise das unternehmerische Fundament:
Angebotsentwicklung, Positionierung, Marketing und Vertrieb sind nicht klar aufgebaut. Das Potenzial ist da – wird jedoch nicht in ein tragfähiges Business mit Strategie und einem System übersetzt.

Fragmentierte Einzelmaßnahmen sind kurzfristig umgesetzt und wirken wie schnelle Bedürfnisbefriedigung, während ein maßgeschneidertes System zu entwickeln Strategie erfordert und als „delayed gratification“ (Belohnung mit Verzögerung) wirkt.

Limitierende Glaubenssätze:
Manche Glaubenssätze wie “Erfolg macht einsam.” oder “Geld verdirbt den Charakter.” wirken wie Sabotage. Hilfreich ist es, ehrlich zu hinterfragen, ob diese Überzeugungen für einen selbst überhaupt wahr sind und welchen Preis man bereits dafür bezahlt hat, ihnen so lange geglaubt zu haben.

Erst wenn man den Menschen vergeben kann, die solche Gedanken weitergegeben haben und auch sich selbst verzeiht, entsteht Raum für neue Überzeugungen wie: Nicht Geld entscheidet über den Charakter, sondern der Mensch selbst.

Unreflektierte Sprichwörter:
Unreflektierte Sprichwörter wie “Schuster, bleib bei deinen Leisten” oder “Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.” entfalten ihre Wirkung.

Bewertungen:
Manche werten Erfolg ab oder stellen ihn infrage, wenn es für sie einfach war, als ob Erfolg nur dann zählen würde, wenn jemand dafür besondere Herausforderungen hatte und sich dadurch den Erfolg “verdient” hat.

Vergleiche:
Manche vergleichen sich mit anderen, die erfolgreicher als sie sind und fühlen sich dann “minderwertig”. Um unser Potenzial zu nutzen, ist ein Raum mit Menschen, die weiter sind als wir, die bereits da sind, wo wir sein wollen, hilfreich, weil wir in diesem Rahmen lernen und Exzellenz modellieren können.

Auch wenn sich unser Ego besser fühlt, wenn es im Raum die Stärkste und nicht die Schwächste ist. Wenn wir uns mit uns selbst vergleichen, mit einer früheren Version von uns, können wir unsere Entwicklung anerkennen.

All das führt dazu, dass großes Potenzial nicht sichtbar wird und nicht wirtschaftlich wirksam ist.

Wie erkennt man, dass alte Muster den eigenen Erfolg unbewusst sabotieren?

Ganz klar: an den Ergebnissen im Außen.

Wenn sich bestimmte Resultate im Business wiederholen – etwa Umsatz-Achterbahn, ausbleibendes Wachstum oder anstrengende Verhältnisse zu Kund:innen oder Mitarbeitenden – dann lohnt sich ein genauer Blick.
Das Außen spiegelt die inneren Muster.

Sag mir, wer deine Kund:innen sind und ich sag dir, wer du bist.
„Wir nehmen alle Anfragen an, die rein kommen. Kleinvieh macht ja auch Mist.” ist eine typische Aussage, die klar zeigt, dass nicht unternehmerische Strategie das Fundament ist, sondern innere Muster diese Entscheidung tragen.

Wichtig ist dabei die Einordnung:

Bin ich bereit, “Mist” für mich und mein Business zu akzeptieren? Wir sind auch der niedrigste Standard, den wir bereit sind, zu akzeptieren.
Bin ich bereit, viel Mist zu akzeptieren? Denn viel Kleinvieh macht viel Mist.
Bin ich mir darüber bewusst, dass ich dafür ebenfalls einen Preis zahle? Z.B. weil meine Mitarbeitenden in die innere Kündigung gehen, weil sie frustriert sind und dieser Mist Ressourcen und Energie bindet?

Typisch ist auch:

„Ich weiß, was zu tun wäre – ich mache es nur nicht konsequent.” Hinter diesem Knowing-Doing Gap (Lücke zwischen Wissen und Handlung) steckt die Ambivalenz, analytisch rational genau zu wissen, was sinnvoll ist und die innere Blockade, es trotzdem nicht zu machen.

Genau dort wirken unbewusste Muster.

Warum reicht reines Mindset oft nicht aus, wenn echte Veränderung im Business ausbleibt?

Weil Mindset allein nur auf der bewussten, logischen, analytischen, rationalen Ebene wirkt.

Viele arbeiten mit positiven Gedanken bis hin zum toxischen Positivismus („Du musst positiv denken!“) oder Affirmationen (bewusst gewählten Sätzen im Selbstgespräch) wie „Ich bin großartig“. Gleichzeitig laufen im Unterbewusstsein gegenteilige Programme.

Deshalb braucht es die Kohärenz von Mindset und Heartset – also die Verbindung von bewusster Ausrichtung und unbewusster innerer Verankerung.

Nur mit Mindset nutzen wir die Spitze des Eisbergs, während unser Unterbewusstsein die massive Mehrheit unsichtbar unter der Oberfläche ist.
Unser Mindset gibt Gas (“ich bin großartig!”), während unser Heartset auf die Bremse tritt („Das glaubst du doch wohl nicht selbst.“).

Diese Gegenspannung blockiert Umsetzung. Wenn beide Ebenen zusammenarbeiten, entsteht wirksame Power im Business.

Selma Sona Gerstenberg entlarvt innere Erfolgsbremsen

Zitat Selma Sona Gerstenberg

Was braucht es, damit persönliche Entwicklung nicht nur Erkenntnis bleibt, sondern im Business Wirkung entfaltet?

Umsetzung.
Konkrete Schritte im Außen. Entscheidungen mit entsprechenden Handlungen.

Manche reflektieren viel – setzen jedoch zu wenig um.
Erkenntnis allein verändert kein Business.

Wirkung entsteht durch:

  • konkrete nächste Schritte
  • neue gute Gewohnheiten
  • konsequente und konsistente Umsetzung im Alltag.

Ein hilfreicher Fokus ist dabei:
Nicht der Vergleich mit anderen, sondern mit der eigenen Entwicklung. Wo stehst du heute im Vergleich zu einer früheren Version von dir?
Bist du näher an deiner Vision?

Diese Entwicklung bewusst wahrzunehmen, anzuerkennen und weiterzuführen, stärkt die Umsetzungskraft.

Welche innere Haltung verändert erfahrungsgemäß den unternehmerischen Erfolg am schnellsten?

Die entscheidende Haltung ist Klarheit in Verbindung mit ehrlichem Self-Leadership.

Viele wissen fachlich, was zu tun wäre – handeln jedoch nicht entsprechend.
Der Unterschied liegt nicht im Wissen, sondern in der inneren Ausrichtung.

Eine zentrale Frage dabei ist:
Handle ich gerade aus Klarheit und im Einklang mit den Werten meiner Vision, oder aus Vermeidung?

Unternehmerischer Fortschritt entsteht, wenn zielführende Entscheidungen nicht länger aufgeschoben, relativiert oder angepasst werden, sondern konsequent umgesetzt werden.

Das sorgt dafür, dass Strategie nicht Theorie bleibt, sondern in Ergebnisse übersetzt wird.

Welchen Tipp geben Sie Menschen, die endlich ihr volles Potenzial im Business leben wollen und wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?

Der wichtigste Schritt ist Ehrlichkeit – sich selbst gegenüber und folglich im eigenen Wirkungskreis. Eine zentrale Frage ist dabei:

Wer will ich gewesen sein?

Diese Frage verändert den Blick auf das eigene Business grundlegend.
Sie macht sichtbar:

  • Was passt – und was nicht mehr?
  • Was darf bleiben?
  • Was darf gehen?
  • Was braucht Veränderung?
  • Was fehlt und darf neu entstehen?

Entscheidend ist, diese Antworten nicht zu relativieren, sondern konsequent danach zu handeln – auch wenn es im Außen unbequem wird. Wachstum entsteht außerhalb der Komfortzone und wir können die Komfortzone nicht komfortabel verlassen.

Gleichzeitig wissen wir nicht, was wir nicht wissen. Die Angst vor dem Unbekannten erscheint verständlich und sie fühlt sich real an. Manche folgen der Angst (was, wenn es schief läuft?) oder bauen sogar eine Angst vor der Angst auf. Sie katastrophisieren, also legen ihren Fokus auf das Schlimmstmögliche, auch wenn es nicht wahrscheinlich ist.

Andere nehmen die Angst wahr und gehen mit der Angst in der einen Hand und mit Mut in der anderen Hand los. Und einige finden ihre Vision und gehen mit Vorfreude los.

Die Angst – berechtigt oder nicht – fühlt sich immer real an. Die Frage ist, was ich daraus mache. Mein Ansatz ist, nicht im Reaktionsmodus zu bleiben, sondern das eigene Business bewusst zu gestalten.

Find yourself? Lose yourself?
Mein Ansatz: Create yourself.

Mein Ansatz steht für aktive Gestaltung statt Reagieren oder Warten.

Wenn, dann? Kommt nie. Niemand startet bei 100 %. Nicht zu starten ist die Garantie für 0 %.

Fehler sind nichts, wofür wir uns schämen müssen, sondern eine Chance, aus diesem Feedback, wie etwas nicht oder noch nicht funktioniert hat, zu lernen. Ohne die Bewertung von Fehlern als gut oder schlecht, sondern als Einordnung als Feedback, können wir aus unseren Fehlern lernen und mit unseren Fehlern wachsen.

Und wenn wir irgendwann zurückschauen, erkennen wir vielleicht, dass der Fehler nicht umsonst, sondern wertvoll für unsere persönliche Entwicklung und unser Business war.

Kontakt ist möglich über:

Über Selma Sona Gerstenberg

Selma Sona Gerstenberg ist Business- und Transformations-Coach sowie eine der erfahrensten Business Consultants im deutschsprachigen Raum. Sie unterstützt Gründer:innen, Selbstständige und Unternehmen dabei, klare Positionierung, profitable Geschäftsmodelle und skalierbare Marketing- und Sales-Strukturen aufzubauen, unterstützt durch den Einsatz von KI.

Mit über 33 Jahren Erfahrung verbindet sie strategisches Business Development mit Mindset, Heartset und Skillset und steht für messbare Ergebnisse und nachhaltigen Erfolg. Zudem ist sie Speakerin, Bestsellerautorin und Mentorin für Female Founders an der Humboldt-Universität Berlin.

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