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Anne Pietag entfesselt echte Führungskraft

Anne Pietag weiß genau, warum viele Führungskräfte trotz Seminaren, Methoden und Tools im Kern unsicher bleiben. Als Arbeits und Organisationspsychologin begleitet sie Menschen in Verantwortung dabei, Führung nicht zu spielen, sondern aus innerer Klarheit glaubwürdig zu leben.

Im Interview spricht sie über fehlende Haltung, scheinbare Stärke und den Preis permanenter Selbstzweifel. Sie erklärt, weshalb wirksame Führung nicht mit dem nächsten Werkzeug beginnt, sondern mit Persönlichkeit, Orientierung und ehrlicher Selbstreflexion.

Anne Pietag im Interview

Interview Anne Pietag

Warum verstecken sich viele Führungskräfte hinter Tools, statt echte Verantwortung zu übernehmen?

Führungskräfte glauben daran, dass Tools ihnen weiterhelfen und versprechen sich davon Sicherheit für ihre Entscheidungen und ihr Handeln. Eine solche Sicherheit gibt es jedoch nicht. Führung braucht heute mehr denn je die Fähigkeit, auch unter Unsicherheit verantwortungsbewusst zu handeln und zu entscheiden.

Was Führungskräften aus meiner Erfahrung wirklich weiterhilft, ist die Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Persönlichkeit und damit, was ihre Führungsrolle von ihnen erfordert. Wenn das klar ist, können im zweiten Schritt hilfreiche Tools ausgewählt werden.

Was passiert, wenn Führung keine klare Haltung hat, aber nach außen Stärke simuliert wird?

Mitarbeitende sind sehr kritisch gegenüber ihrer Führungskraft. Sie beobachten sie genau, legen ihre Worte und Taten „auf die Goldwaage“. Wenn Innen und Außen nicht zusammengehen, wirkt die Führungskraft nicht authentisch.

Daraus kann keine wirkliche Akzeptanz entstehen. Und somit auch keine wahrgenommene Stärke. Zur  Führung gehören immer zwei: Jemand der führt und jemand, der sich führen lässt bzw. sich geführt fühlt.

Warum ist „mehr Methoden lernen“ oft nur ein Ausweichen vor der eigentlichen Führungsarbeit?

Führung hat sich in vielen Bereichen verändert, die grundlegenden Bedürfnisse des Menschen sind jedoch die gleichen geblieben. Wir müssen uns als Führungskräfte – gerne! – mit dem Menschen beschäftigen.

Was brauchen meine Mitarbeitenden gerade, und wie kann das in Einklang mit den Unternehmenszielen gebracht werden? Neugier und Zugewandtheit sind wichtiger als Methoden. Methoden sind das I-Tüpfelchen, um etwas „technisch“ umzusetzen.

Die Strategie muss vorher klar sein. Sonst kann die richtige Methode nicht ausgesucht werden. Das ist wie bei der Zusammenarbeit mit KI: Wir müssen zuerst die richtigen Fragen stellen, bevor wir passende Antworten bekommen.

Anne Pietag macht Führung glaubwürdig

Zitat Anne Pietag

Woran erkennt man, dass jemand zwar führt, aber innerlich nicht klar positioniert ist?

Unsere Zeit ist durch ein wachsendes Gefühl von Unsicherheit geprägt. Von der Weltpolitik bis zu andauernden Change-Prozessen im Unternehmen – wir sind mit ständiger Anpassung beschäftigt. Das sorgt für eine große Sehnsucht der Mitarbeitenden nach Klarheit und Orientierung.

Jemand, der seine Rolle und Haltung nicht geklärt hat, wirkt unberechenbar. Er kann keine Orientierung geben, weil er selbst keine hat. Dies wirkt sich auf die Mitarbeitenden aus. Im schlimmsten Fall entsteht ein Klima der Angst. In einem solchen Umfeld kann niemand gute Leistungen bringen oder Neues lernen.

Warum fehlt vielen Führungskräften der Mut, ihre eigene Haltung wirklich sichtbar zu machen?

Zunächst sehe ich, dass vielen Menschen ihre eigene Haltung gar nicht wirklich klar ist. Im „normalen“ Leben beschäftigt man sich damit nicht. Und das ist vollkommen in Ordnung so. Viele Führungskräfte kommen zu mir ins Coaching, weil sie spüren, dass Führung sich für sie anstrengend anfühlt.

Manche nehmen ihre Probleme mit nach Hause, schlafen schlecht, stehen ständig unter Strom. Sie zweifeln an sich und fragen sich, ob sie für diese Aufgabe die Richtigen sind.

Das alles kostet sehr viel Kraft und nagt am eigenen Selbstwertgefühl.

Ein gutes Selbstwertgefühl ist die Basis für Mut und Zuversicht. Jemand, der viel zweifelt, kann schlecht mutig für sich einstehen.

Was ist der erste Schritt raus aus diesem Muster und wie kann man mit Ihnen zusammenarbeiten?

Das könnte der erste Schritt sein: sich seiner Haltung klar zu werden. Wir tragen Werte und Haltung bereits in uns. Ehrlich auf unser Leben und unsere Entscheidungen zu blicken, bringt die Werte zutage, die unser Handeln bestimmen.

Indem wir sie mit unserer Rolle als Führungspersönlichkeit verbinden, können wir sie authentisch zum Ausdruck bringen. Das macht unser Leben um vieles leichter. Ständige Selbstzweifel verschwinden. Wir wirken klar und authentisch.

Im Coaching kann jeder offen sprechen. Auch das ist im eigenen Unternehmen, in der Familie oder im Freundeskreis oft nicht möglich. Gemeinsam finden wir heraus, wie die eigene Führungsrolle aussehen kann. Welche Stärken und hilfreichen Muster sind schon vorhanden und wie können sie bestmöglich genutzt werden.

Arbeit muss sich nicht schwer und belastend anfühlen, damit wir mit uns zufrieden sein dürfen. Je besser es uns selbst in unserer Rolle geht, desto mehr können wir unseren Mitarbeitenden mitgeben.

Über Anne Pietag

Anne Pietag ist Diplom Arbeits und Organisationspsychologin sowie Business Coach aus Dresden. Die gebürtige Leipzigerin begleitet Führungspersönlichkeiten mit einem hypnosystemischen Ansatz, die wirksame Führung aus einer klaren inneren Haltung gestalten möchten. Statt Führung nach Rezept, setzt sie auf Substanz, persönliche Entwicklung und die zentrale Frage, wie Menschen authentisch wirken und Verantwortung wirksam leben können.

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