Melanie Grünitz ist Executive Coach und begleitet Führungskräfte sowie Unternehmen in Veränderungsprozessen. Im Fokus ihrer Arbeit stehen nachhaltige Führung, Selbstführung und die Entwicklung klarer Strategien, die wirtschaftlichen Erfolg mit persönlicher Erfüllung verbinden.
Im Interview spricht Melanie Grünitz darüber, wie Coaching individuelle Personen, aber auch Unternehmen als Ganzes gleichermaßen stärkt und warum unsere wichtigste Ressource, die Menschlichkeit, dadurch genau dort (wieder) wirksam wird, wo sie am meisten gebraucht wird – im Wandel.
Interview mit Melanie Grünitz

Warum verlieren viele Führungskräfte im Alltag ihre Wirksamkeit?
Wirksamkeit hat viel mit Selbstreflexion zu tun: Was kann ich tun, um eine Situation positiv zu gestalten? Was liegt in meiner Macht? Wo streife ich bisher Verantwortung ab? Wie kann ich mich anders verhalten?
Es geht nicht um „Schuld“, sondern darum, mit einem gesunden, erwachsenen Blick festzustellen, wo Wirksamkeit verloren geht. Und sich klarzumachen: Ich kann sie mir zurückholen – vorausgesetzt, ich stelle mir die richtigen Fragen.
In einer Business-Welt, die permanent von hohen Erwartungen geprägt ist, ist Wirksamkeit zentral. Fehlt sie, sind wir regelrecht blockiert – oft sogar unbewusst. Frust, Gereiztheit, Schlaflosigkeit, Lustlosigkeit, Prokrastination – das alles können Anzeichen fehlender Wirksamkeit sein. Meinen Klienten lege ich immer direkt nahe, sich damit zu befassen.
Führungskräfte sind mit so vielen Situationen konfrontiert, in denen ihre Wirksamkeit verloren gehen kann: Endlose Meetings und To-Do-Listen. Aufgeschobene Entscheidungen. Drucksituationen. Überforderung. Zerrissenheit. „Meine Woche müsste 80 Stunden haben…“.
Das geht eine Weile lang gut – wenn Führungskräfte aber zu lange ihre eigenen Bedürfnisse (auch unbewusst) übergehen, wirkt sich das früher oder später körperlich und mental aus. Deshalb lege ich in meiner Arbeit mit Führungskräften den Fokus darauf, gezielt vorzubeugen. Das ist möglich – auch in extrem herausfordernden Situationen.
Direkt nach Erklärungen für diese Missstände zu suchen, ist zutiefst menschlich und dennoch problematisch. Weil uns unsere Wirksamkeit in diesen Momenten abhandenkommt und weil wir damit Verantwortung abschieben: Jedes „Beschweren“ über andere Personen oder „die Umstände“ beschwert uns selbst.
Da schliesst sich der Kreis: (Selbst-) Wirksam bin ich vor allem dann, wenn ich einen klaren Blick auf meine Bedürfnisse und einen bewussten Umgang mit mir selbst (und dadurch auch mit anderen) habe. Das kann man lernen!
Es geht darum, das eigene Denken, Tun und Handeln in Einklang zu bringen – wie eine Geige, die ab und an gestimmt werden muss. Passiert das nicht, kommt halt auch kein stimmiges Stück dabei raus…
Was unterscheidet echte Führung von bloßer Verwaltung?
Menschlichkeit als absolute Grundzutat für jede Person, die wirksame Führungskraft sein will. „Verwaltung“ ist reines Abhaken von To-Dos – maschinelles Koordinieren von Entscheidungen. Dafür braucht es teilweise keine Menschen mehr.
Wofür es aber sehr wohl noch Menschen braucht und auch immer brauchen wird, ist Führung. Echte Führung beginnt dort, wo wir den Menschen hinter der Position sehen. Mein Gegenüber ist eben nicht nur Projektleiter, Teamleiter oder C-Level – sondern immer ein Mensch mit Gefühlen, Bedürfnissen, Emotionen. Genau wie ich selbst!
- Wie geht es dir?
- Wie kann ich dich unterstützen?
- Was brauchst du von mir?
Das alles sind Fragen, die uns dabei helfen, als Führungskräfte aus dem Verwaltungs- in den Führungsmodus zurückzufinden. Diese Menschlichkeit wohnt uns allen inne. Wenn wir uns trauen, wieder nahbarer zu werden, und den Menschen auf der Gefühlsebene zu begegnen, entsteht echte Führung fast ganz wie von selbst.
Welche innere Haltung entscheidet über gute Entscheidungen?
Was macht eine „gute Entscheidung“ aus? Oft ist es die Lebendigkeit, die wir verspüren, nachdem wir sie getroffen haben – mit besonderem Mut oder grosser Klarheit.
Eine innere Haltung einzunehmen kann übrigens auch schon eine starke Entscheidung sein: Eine Haltung, die nicht an uns herangetragen wird, sondern die wir selbst entwickeln, ganz unabhängig von äusseren Einflüssen.
Und ja, ich weiß – „innere Haltung“ kann erstmal nach leerer Worthülse klingen. Aber: Es geht hier nicht um die nächste Coaching-Floskel. Was meine ich mit „innerer Haltung“? Wenn ich bisher z.B. immer der Meinung war, Coaching ist nur etwas für Menschen, die es allein nicht hinbekommen und mich dann aber immer mehr dafür öffne, weil ich erkenne:
Wahre Stärke liegt darin, sich an der Stelle gezielt Unterstützung zu holen, an der man immer wieder stagniert… dann habe ich mich dazu entschieden, meine innere Haltung gegenüber Coaching als gesamter Disziplin zu ändern. Warum ist das so mächtig? Weil auf Basis dieser Entscheidung weitere Entscheidungen folgen, die einen immensen Unterschied für das eigene Weiterkommen machen können.
Habe ich erstmal erkannt, welche Macht in zielführendem Coaching steckt, ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich höher, dass ich mich infolgedessen dazu entscheide, selbst darin zu investieren und entsprechend zu profitieren.
Das damit verbundene Gefühl ist wichtig: Was empfinde ich, wenn ich darüber nachdenke? Glück? Freude? Leichtigkeit? Dann haben wir diese Entscheidung vermutlich aus freien Stücken getroffen und nicht aus „Kalkül“ oder weil wir es als notwendig erachteten, uns so zu entscheiden, weil wir einen Verlust unseres Ansehens befürchten mussten.
Entscheide ich mich z.B. für eine höhere Position, weil ich davon überzeugt bin, dass sie meiner Lebensqualität dienen wird? Oder weil ich mir einrede, das müsste ich jetzt doch so machen, weil das „der nächste logische Schritt“ ist?
Darin liegt oft ein wertvoller Hinweis darauf, welche Entscheidung für mich in diesem Moment eine „gute“ ist. Fühlt sich die Entscheidung lebendig und klar an? Oder eher nach Verengung oder „faulem Kompromiss“?
Gute Entscheidungen entstehen da, wo wir selbstwirksam sind. Weil sie wirklich unsere sind und wir sie nicht treffen, um einem Erwartungsdruck im Aussen standzuhalten.
Die eigenen Motive zu verstehen, bevor wir uns entscheiden, ist enorm hilfreich, um zu Entscheidungen zu kommen, die sich wirklich stimmig anfühlen und zu denen wir ohne Wenn und Aber stehen.
Melanie Grünitz über Wirksamkeit, statt Dauer-Umdenken

Warum entsteht nachhaltige Veränderung oft schneller als gedacht?
Wir wissen im Grunde ganz genau, was uns blockiert. Auch, wenn es sich oft nicht so anfühlt: Oft nehmen wir uns nicht genug Zeit, um genau hinzuschauen. Was dazu führt, dass wir das, was uns umtreibt, gar nicht richtig greifen können.
Meist kommen meine Klienten gar nicht mit einem klaren Thema zu mir. Womit sie aber kommen: Mit Konflikten, Stress, ungesunder Ernährung, Überstunden, Diskussionen mit dem Chef, schlaflosen Nächten und fast immer mit der Überzeugung, das alles „gehöre dazu“.
Hier schlägt oft die „Macht der Gewohnheit“ durch: Diese Zustände haben sich schon so weit in die Alltagsrealität der Menschen „hineingefressen“, dass sie sich normal anfühlen.
Wir arbeiten gemeinsam daran, eine klare Entscheidung im Interesse des eigenen Wohls zu treffen. Das ist kein Egoismus, sondern Selbstschutz. Auf Veränderung im Aussen zu warten, damit sich diese Zustände bessern, ist sinnlos – weil wir dann direkt wieder an (Selbst-) Wirksamkeit einbüssen.
Wie die Entscheidungsforschung immer wieder zeigt: Diese Selbstwirksamkeit liegt in unserer Natur. Grundsätzlich haben wir, was wir brauchen, um das zu tun, was sich positiv auf unsere Lebensqualität auswirkt.
Diese Erlaubnis dürfen wir uns zurückholen und uns mit Blick auf vergangene Situationen klarmachen, wann uns das schon richtig gut gelungen ist. Wir reaktivieren eine bereits vorhandene Fähigkeit – die wir gar nicht gänzlich neu erlernen müssen.
Die alltägliche Arbeit mit meinen Klienten zeigt: Diese Erkenntnis ist eine grosse Erleichterung. Weil sie die Menschen dazu einlädt, die Fähigkeiten, die schon immer ein Teil von ihnen waren, wieder neu zu entdecken. So kann nachhaltige Veränderung teilweise auch schnell gelingen – wie ein Schlüssel, der auf einmal ins richtige Schloss passt.
Wie wirkt sich Coaching auf das gesamte System eines Unternehmens aus?
Stichwort Menschlichkeit: Die vielfältigen Emotionen, die unser Menschsein – auch abseits von Rollenbildern, Positionen und Tätigkeitsbeschreibungen – ausmachen, beeinflussen uns natürlich auch im Business.
Im Coaching erlangen wir Klarheit über diese Emotionen und schauen, wie wir zu Entscheidungen kommen, die für uns als Führungskräfte, aber auch für das System um uns herum stimmig sind.
Realistisch betrachtet müssen immer wieder Kompromisse geschlossen werden. Umso mehr geht es darum, sauber abzuwägen: Welche Konsequenzen hat welche Entscheidung für wen? Das wiederum kann ich nur dann, wenn ich selbstwirksam unterwegs bin.
Im Coaching geht es vor allem darum, uns unsere Emotionen bewusst zu machen und wichtige Zusammenhänge zu erkennen. Was macht mich wütend? Wann fühle ich mich frustriert? Wann verspüre ich Glück, Freude und Leichtigkeit?
Wenn darüber Klarheit herrscht, entsteht eine Wirksamkeit, die ihren Namen wirklich verdient. Emotionen auszublenden oder „wegzudrücken“ funktioniert nicht. Auch, wenn man oft das Gefühl hat, „da oben“ wehe ein härterer Wind: Die KPIs eines Unternehmens werden darunter leiden, wenn die Mitarbeitenden nicht gelernt haben, gesund zu performen.
Im Umkehrschluss: Je gesünder und (selbst-) wirksamer die Menschen, desto geringer die Fluktuation und desto höher die Kundenbindung und der finanzielle Erfolg.
Der bewusste Umgang mit unseren Emotionen macht uns handlungsfähiger, wirksamer und glücklicher – genau hier setzt mein Coaching an. Fortschrittliche Unternehmen haben längst erkannt: Coaching ist kein nice-to-have, sondern ein hoch wirksames Tool, um die Leistung des gesamten Unternehmens zu fördern.
Kein Unternehmen, das es mit der Leistungsfähigkeit seiner Mitarbeitenden wirklich ernst meint, kann es sich noch leisten, darauf zu verzichten. Wo wir Emotionen blockieren, verhindern wir wirtschaftlichen Erfolg – das zu erkennen, ist in der heutigen Business-Realität wichtiger denn je.
In der Zusammenarbeit mit meinen Klienten sehe ich: Diese Szenarien sind real. Ob es die gestresste, unausgeschlafene, sich schlecht ernährende 46-jährige Angestellte im mittleren Management ist oder ein 52-jähriger Vertriebsleiter, der sich seit Jahren fragt, ob er nicht lieber kündigen sollte:
Das sind Menschen, die auf dem Papier sehr erfolgreich sind, sich gleichzeitig innerlich ausgebrannt fühlten und die ich mit meinem Coaching auf dem Weg zu starken Entscheidungen begleiten durfte.
Beide sind übrigens nach wie vor in ihrem bisherigen Unternehmen – in der gleichen Position. Aber in deutlich besserem Zustand. Was hat sich geändert?
Weniger Überstunden. Sie lernt eine neue Sprache. Er sieht die Ballettaufführungen seiner Tochter. Nicht über Nacht, aber als Resultat nachhaltig wirksamen Coachings. Menschen zu befähigen, selbst die Veränderungen einzuleiten, die sie sich wünschen, erfüllt mich immer wieder mit Freude!
Was braucht es, damit Menschen wieder ins Gestalten kommen?
Was wir wirklich brauchen, ist ein echtes „Umhandeln“ – weil reines „Umdenken“, von dem aktuell so oft die Rede ist, deutlich zu kurz greift. Um den ersten Schritt zu gehen, reicht es oft, das zu reaktivieren, was wir bereits in uns tragen.
Das bewirkt den entscheidenden Unterschied, weil es uns in unsere Wirksamkeit zurückbringt. Und in den Entscheidungs- und Gestaltungs-modus! Durch die (Re-) Aktivierung dieser Fähigkeiten, den bewussten Umgang mit unseren Emotionen und das daraus resultierende Treffen von „guten Entscheidungen“ gestalten wir unser Umfeld ganz bewusst.
Deswegen stehe ich aus voller Überzeugung für einen Coaching-Stil, der die Umsetzung in den Mittelpunkt stellt. Natürlich geht es oft erstmal darum, Impulse zu setzen und umzudenken, aber da darf es nicht aufhören.
Erst, wenn dieses „Umdenken“ in ein konkretes „Umhandeln“ mündet, entfaltet Coaching seine volle Wirksamkeit.
Über Melanie Grünitz
Seit über 10 Jahren unterstützt Melanie Grünitz, Kommunikationstrainerin und Business Coach (DBCA), Führungskräfte im mittleren Management auf dem Weg von Dauerfrust in der Sandwichposition zu gesunder Führung mit Wirkung.
Durch ihre Tätigkeit als Interim Managerin & Bilanzbuchhalterin mit langjähriger internationaler Führungserfahrung im mittleren Management diverser Branchen (u.a. Industrie, Lebensmittel-produktion, Treuhand, öffentliche Verwaltung) kennt Melanie die weit verbreitete Alltagsrealität in diesen Positionen. Ihr dynamischer, nachhaltig wirksamer Coaching-Ansatz zielt darauf ab, leistungsstarke Führungskräfte dabei zu unterstützen, den hohen Anforderungen ihrer Tätigkeit weiterhin gerecht zu werden und sie gleichzeitig gesund performen zu lassen.








