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Christa Box: Veränderung scheitert am Menschlichen

Christa Box bringt auf den Punkt, warum viele Veränderungsprozesse ins Stocken geraten, obwohl Strategien längst beschlossen sind. Der entscheidende Faktor liegt selten im Konzept, sondern im Menschen selbst. Emotionen, Unsicherheit und alte Muster wirken oft stärker als jede noch so gut geplante Maßnahme.

Sie zeigt, warum echte Veränderung nur dann gelingt, wenn Führung nicht nur Zahlen und Ziele im Blick hat, sondern auch das emotionale System dahinter versteht. Es geht um Orientierung, Vertrauen und die Fähigkeit, Menschen durch Unsicherheit zu begleiten, statt sie einfach durch Prozesse zu treiben.

Christa Box im Interview

Interview Christa Box

Warum scheitern viele Veränderungsprozesse nicht an der Strategie, sondern am Menschen?

Im Alltag sehe ich, dass es relativ leicht ist, neue Strategien in Organisationen zu entwickeln. Menschliches Verhalten jedoch lässt sich deutlich schwerer ändern, denn Menschen bewerten Veränderungen zunächst nicht rational, sondern emotional.

Der Widerstand gegen Veränderungen ist am Anfang meist hoch, weil die Menschen sich bedroht fühlen. Danach setzt erst allmählich eine Phase der Akzeptanz ein, die dann wieder zu größerer Leistungsbereitschaft führt.

Typische Fragen am Anfang sind:

  • „Was bedeutet das für meine Rolle?“
  • „Verliere ich Einfluss, Status oder Sicherheit?“
  • „Kann ich die neuen Anforderungen überhaupt erfüllen?“

Die Menschen wollen sich gegen diese Bedrohung schützen. Die Folge sind klassische Abwehr-Reaktionen wie

  • Widerstand
  • Vermeidung
  • Verzögerung
  • passiver Rückzug

Strategie spricht den Verstand an, Veränderung jedoch das emotionale System.

Nach meiner Erfahrung unterschätzen Führungskräfte oft, wie schnell die Mitarbeitenden sich anpassen können. Veränderung erfordert meist

  • neue Kompetenzen
  • neue Routinen
  • neue Beziehungen
  • neue Identität in der Rolle

Das braucht Zeit, Orientierung und Begleitung – eine Phase, die oft fehlt. Dann bleibt die höhere Effizienz auf der Strecke, denn die Menschen ändern ihr Verhalten nicht und blocken ab.

Darüber hinaus bedeutet Neuausrichtung immer auch 

  • Unsicherheit
  • zusätzliche Arbeit
  • Verlust von Routinen

Menschen müssen Energie investieren, um neue Abläufe aufzubauen.

Daher betone ich immer wieder:

Wenn Führung nicht gleichzeitig

  • Sinn vermittelt
  • Orientierung gibt
  • Vertrauen stabilisiert

dann entsteht ein Zustand, den man in Organisationen häufig beobachtet:

Erschöpfte widerwillige Anpassung, statt gelungener Neuausrichtung. 

Was bedeutet „inspirieren und insistieren“ konkret im Coaching Alltag?

Die Formel ist:

Inspirieren öffnet den Weg.
Insistieren sorgt dafür, dass er gegangen wird.

Als Coach ermutige ich meine Kunden, neue Perspektiven einzunehmen, Zukunftsbilder zu entwickeln, andere Denkmodelle zu ermöglichen und die eigenen Stärken in einen neuen Kontext zu setzen.

Danach begleite ich meine Kunden freundlich und klar dabei, die gewonnen Erkenntnisse auch in die Praxis umzusetzen: wir treffen Vereinbarungen, überprüfen sie regelmäßig und überwinden Zweifel und Stillstand.

Das Ergebnis ist eine nachhaltige Veränderung.

Wie viel Struktur braucht gute Führung und wie viel Intuition?

Nun, die 1. Komponente für gute Führung ist Struktur. Sie ist das Fundament und sorgt dafür, dass Organisationen gut und verlässlich funktionieren.

Struktur umfasst zum Beispiel:

  • klare Ziele und Prioritäten
  • Rollen und Verantwortlichkeiten
  • Entscheidungswege
  • regelmäßige Führungsformate (Jour fixe, Feedback, Zielgespräche)
  • nachvollziehbare Prozesse

Die 2. Komponente für gute Führung ist psychologisches Wissen um die Grundgesetze menschlichen Handelns! Ich arbeite sehr praxisbezogen auf Basis einer staatlich anerkannten Tiefenpsychologie. So finden wir Antworten auf Fragen wie

  • wozu zeigt der Mitarbeitende keine Kooperationsbereitschaft?
  • Wieso reagiere ich auf verschiedene Kolleg:innen so gereizt?
  • Wie gehe ich mit widersprüchlichem Verhalten um?
  • Wieso arbeitet mein Team nicht gut zusammen?
  • Oder einfach: wozu kommen manchen Kolleg:innen eigentlich immer zu spät?

Gute Intuition ist erfahrungsbasiertes Wissen, nämlich die Kombination aus psychologischem Wissen und Erfahrung, und arbeitet schneller als analytisches Denken.

Beispiele:

  • Spannungen im Team rechtzeitig wahrnehmen und angemessen handeln
  • den richtigen Zeitpunkt für ein schwieriges Gespräch bewusst wählen
  • erkennen, wann ein Mitarbeiter Unterstützung braucht und sie auch anbieten
  • entscheiden, wann Regeln flexibel angewendet werden müssen.

Christa Box: Segel neu setzen

Zitat Christa Box

Welche Rolle spielt mentale Gesundheit für beruflichen Erfolg?

Aus meiner Sicht ist mentale Gesundheit das A&O für Erfolg! Besonders in Situationen mit hohem Erwartungsdruck, wachsenden Anforderungen und fehlender Job-Sicherheit ist die eigene stabile Gesundheit das Fundament, das Erfolg und Weiterentwicklung überhaupt erst ermöglicht.

Ich habe diese Erfahrung in meinem Berufsleben selbst gemacht. Erst als ich mich bewusst entschieden habe, die richtige Balance zu finden zwischen Dauerlauf und Pausen, konnte ich die hohen Anforderungen meistern.

So gehe ich selbst auch regelmäßig zur Supervision. Damit kann ich meinen Kunden die erforderliche Coaching-Qualität garantieren.

In meinen Coachings biete ich Druck- und Stressreduktionstechniken an. Das reicht von bewusstem Atmen bis hin zur Abschlussmeditation. Es kommt selbstverständlich darauf an, ob die Kunden Bedarf haben und dafür bereit sind.

Warum ist Anpassungsfähigkeit heute eine Schlüsselkompetenz?

Ich möchte eher die Begriffe „mentale Beweglichkeit“ und „Wandlungsfähigkeit“ verwenden, weil „Anpassung“ für mich auch eine passive Assoziation hat.

Wandlungsfähigkeit ist heute eine Schlüsselkompetenz, weil sich die Rahmenbedingungen von Organisationen sehr schnell verändern.

Früher konnten Unternehmen jahrelang mit stabilen Strategien arbeiten. Heute verändern sich Märkte, Technologien und Erwartungen permanent. Der entscheidende Wettbewerbsfaktor ist deshalb die Fähigkeit, beweglich zu sein.

  • Die Geschwindigkeit von Veränderung ist stark gestiegen.
  • Wissen altert schneller als früher.
  • Führung findet in zunehmender Unsicherheit statt.
  • Organisationen ändern sich langsamer als ihr Umfeld
  • Wandlungsfähigkeit ist eine psychologische Fähigkeit.

Für die besten Überlebensstrategie können wir gerne Naturprinzipien anschauen. Denken Sie bitte an erdbebensichere Gebäude: Nicht maximale Härte schützt ein Gebäude, sondern kontrollierte Flexibilität!

Oder an Schiffe: Stabile Systeme sind nicht die, die sich nie bewegen.
Sondern die, die sich immer wieder selbst ausbalancieren können.

Oder an Bäume: Bäume überleben starken Wind nicht durch Starrheit, sondern durch Flexibilität.

UND: In allen Fällen ist ein gutes Fundament die Grund-Voraussetzung für das Überleben!

Welchen Rat geben Sie Frauen, die sich beruflich neu ausrichten oder stärken wollen und wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?

Aus meiner Erfahrung glauben Frauen oft, dass sie noch mehr leisten oder sich selbst optimieren müssen. Häufig brauchen sie jedoch vor allem Klarheit, innere Erlaubnis und strategische Orientierung. Ich führe sie durch ihren Entwicklungsprozess, indem wir gemeinsam folgende 5 Themen besprechen:

  1. Die eigene Richtung klären und nicht nur die nächste Position

Karriereentscheidungen entstehen häufig aus Gelegenheit oder festgelegten Vorstellungen. Eine nachhaltige berufliche Entwicklung beginnt jedoch mit folgenden Fragen:

  • Wofür stehe ich?
  • Welche Wirkung möchte ich entfalten?
  • In welchem Umfeld kann ich meine Stärken wirklich einsetzen?

Karriere wird stabiler, wenn sie an persönlicher Sinnorientierung ausgerichtet ist.

  1. Die eigenen Stärken bewusst nutzen

Ich erlebe immer wieder, dass Frauen ihre Kompetenz unterschätzen oder ihre Fähigkeiten als selbstverständlich betrachten. Hilfreich ist daher eine klare Bestandsaufnahme:

  • Welche Erfahrungen habe ich bereits gemeistert?
  • Welche Probleme kann ich besonders gut lösen?
  • Welche Rückmeldungen bekomme ich immer wieder?

Dann entsteht gesundes Selbstbewusstsein durch die bewusste Anerkennung der eigenen Leistung.

  1. Strategisch, statt nur fleißig arbeiten

Leistung allein führt nicht automatisch zu Sichtbarkeit.
Deshalb ist es wichtig:

  • Netzwerke aufzubauen
  • die eigene Arbeit sichtbar zu machen
  • gezielt Verantwortung zu übernehmen

Karriere ist immer auch ein strategischer Prozess.

  1. Grenzen setzen und Prioritäten wählen

Tja, leider immer noch ein großes Thema: viele Frauen übernehmen sehr viele Aufgaben gleichzeitig, berufliche Verantwortung und private Verpflichtungen. Hier ist es wichtig, Entscheidungen zu treffen und sowohl im Arbeitsumfeld als auch zuhause Aufgaben abzugeben.

Klare Grenzen führen zu Handlungsfähigkeit und Energie.

  1. Veränderung ist Entwicklung

Leider ist berufliche Neuorientierung selten ein gerader Weg.
Mentoren, Sparringspartner und Coachs können gerade in Übergangsphasen helfen,

  • Perspektiven zu erweitern
  • schwierige Entscheidungen zu reflektieren
  • den eigenen Weg klarer zu sehen.

Unsicherheit, Zweifel oder Zwischenphasen gehören immer dazu. Entscheidend ist, weiterhin  den Mut zu haben, den eigenen Weg bewusst zu gestalten.

Sie fühlen sich angesprochen und möchten mit mir in Kontakt treten?

Senden Sie mir sehr gerne eine Email an christa.box@online.de, rufen Sie mich an: 02159-962536 oder vernetzen Sie sich mit mir auf LinkedIn! Ich freue mich sehr über Ihre Kontaktaufnahme!

Über Christa Box

Christa Box ist Dipl. Sprachwissenschaftlerin und Management Coach mit 22 Jahren Bankerfahrung sowie über 20 Jahren Begleitung von Führungskräften in internationalen Organisationen. Sie kennt Strukturen, Dynamiken und Spielregeln aus erster Hand und verbindet tiefenpsychologisches Wissen mit praxistauglichen Methoden. Gemeinsam mit ihren Kund:innen entwickelt sie den nächsten Karriereschritt, der wirklich zu ihnen passt.

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