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Anabel Schröder über Führung, Wirkung und Pferde

Anabel Schröder zeigt, warum pferdegestütztes Coaching weit mehr ist als eine Methode. Seit über 20 Jahren begleitet sie Menschen und Führungskräfte dabei, ihre inneren Muster sichtbar zu machen und echte Klarheit über ihr Verhalten und ihre Wirkung zu gewinnen.

Anabel Schröder erklärt im Interview, wie Pferde Emotionen lesen, warum sie ehrlicher reagieren als jedes Feedbackgespräch und weshalb nachhaltige Veränderung oft dort beginnt, wo Worte nicht mehr greifen.

Interview mit Anabel Schröder

Interview Anabel Schröder

Was können Pferde im Coaching sichtbar machen, was Worte allein nicht erreichen?

Pferde können Gesichter lesen und Emotionen spüren. Sie reagieren auf den Menschen, auf dessen Gefühle und dessen Verhalten. Pferde machen so das Innere sichtbar. Manche nennen es „spiegeln“, wobei dieser Begriff irreführend ist. Spiegeln würde bedeuten: Wenn der Mensch wütend ist, ist das Pferd auch wütend. Aber es reagiert auf das Gefühl der Wut, und ist vielleicht irritiert oder es distanziert sich.

So machen Pferde durch ihr Verhalten sichtbar, was man im Menschen möglicherweise gar nicht sieht, weil dieser Emotionen gut verstecken kann. Ist der Mensch traurig, so erleben wir häufig, dass das Pferd bewusst zu dieser Person geht, um sie zu schützen oder ihr zu helfen. Das heißt, Pferde reagieren auf das, was im Inneren des Menschen vor sich geht, und somit ist das Pferd eine hilfreiche Ergänzung im Coachingprozess.

Wir beobachten in einer Coachingsequenz mit dem Pferd daher das Verhalten des Pferdes sehr genau, denn es ist für uns ein wichtiger Hinweisgeber; Es macht Dinge oft sichtbar, die uns sonst vielleicht verborgen geblieben wären, weil der Coachee/Klient seine Gefühle oder Gedanken gerade nicht zeigt oder selbst nicht kennt.

Der Coachee/Klient erkennt durch die Reaktion des Pferdes außerdem, dass bereits seine innere Haltung oder verborgenen Emotionen Auswirkungen auf andere haben – in diesem Fall auf das Pferd. Das kann für Führungskräfte ganz wichtig sein – Teammitglieder spüren schließlich auch Unstimmigkeiten, Unsicherheiten oder Stimmungen ihres Vorgesetzten, selbst wenn diese versucht, sie zu verstecken.

Nur sprechen Teammitglieder dies nicht an, denken sich aber ihren Teil – das Pferd hingegen reagiert unmittelbar darauf und macht das sofort sichtbar.

Weiterhin führt ein pferdegestütztes Coaching dazu, dass sich der Coachee/Klient außerhalb seiner Komfortzone befindet und außerhalb der Komfortzone greift er automatisch auf seine typischen Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster zurück.

Diese Muster werden somit sichtbar, etwa indem der Klient eine Bodenübung mit dem Pferd möglichst perfekt machen will – weil Perfektionismus ihm Sicherheit gibt. Nur findet das Pferd diese Perfektion manchmal befremdlich und verweigert sich. So kommen die typischen Muster zutage, werden sichtbar und können im Coaching aufgegriffen werden.

Viele nennen sich heute pferdegestützter Coach. Woran erkennt man echte Qualität?

Der pferdegestützte Coach sollte eine Coach-Ausbildung (mit und ohne Pferd) haben, oder eine Ausbildung zum psychologischen Berater. Am besten sollte er oder sie ein von einem Verband zertifizierter Coach sein, denn Coaching ist elementar wichtig – nur durch eine klare Zielklärung und durch präzise Reflexion nach einer Übung mit dem Pferd kommt man Lösungen und Erkenntnissen näher.

Alles andere wäre lediglich eine Intervention mit Pferd oder ein schöner Nachmittag.

Außerdem sollte die Person bereits beim Erstkontakt Professionalität zeigen: Eine gute Ziel- oder Auftragsklärung, ein Coachingvertrag, Transparenz was Preise und Absagemodalitäten angeht. Drittens, je langjähriger die Erfahrung des Coaches ist, umso besser, denn Coaching lernt man durchs Tun.  Dass die Person Erfahrung mit Pferden hat, seinen Tieren genügend Pausen gönnt und Pferde gut „lesen“ kann, setze ich voraus.

Und zuletzt Referenzen: Wer ehemalige Kunden nennen kann, die man befragen darf, hat nichts zu verbergen. Zusammenfassend würde ich sagen, dass ein pferdegestützter Coach, der eine fundierte Coach Ausbildung, Coachingpraxis mit und ohne Pferd, Referenzen sowie ausreichend Pferdeerfahrung mitbringt, voraussichtlich hohe Qualität liefern wird.

Warum wirken Pferde als Führungskräfte-Spiegel oft schneller und ehrlicher als jedes Feedbackgespräch? 

Das hat drei wesentliche Gründe:

Erstens, Pferde geben unmittelbares Feedback – sie zeigen sofort, ob sie dem Menschen vertrauen oder nicht, und warten nicht erst bis zum nächsten Meeting oder Jahresgespräch. Die Führungskraft kann daher sofort sein Verhalten anpassen, um andere Ergebnisse zu erzielen, sich sozusagen „ausprobieren“. Das Pferd wird auf ein verändertes Verhalten anders reagieren – gibt also sofort Rückmeldung.

Beispielsweise hatten wir eine Führungskraft, die das Pferd, ohne es zu berühren, in der Reithalle von A nach B bringen sollte. Seine Strategie war es, dem Pferd mit vielen Worten und ohne Pause zu erklären, wo es hinsollte. Erst als wir ihm verboten haben, zu sprechen, konzentrierte er sich auf seine Körpersprache und Ausstrahlung und fokussierte sich auf sein Ziel und das Pferd kam ohne Wenn und Aber mit.

Zweitens spüren Pferde innere Unstimmigkeiten – wenn jemand sich als Führungsperson ausgibt, sich aber unsicher fühlt, merken die das und reagieren anders als bei einer Person, die sich selbst-sicher ist.

Und drittens sind die Pferde ehrlich in ihrem Verhalten. Sie werden nie so tun, als würden sie sich für die Führungskraft interessieren, wenn das nicht wahr wäre.

Führungskräfte haben ja das Problem, dass, je höher sie in der Hierarchie aufsteigen, immer weniger ehrliches Feedback erhalten. Da kann ein Coaching mit Pferd für die Selbstreflexion sehr hilfreich sein.

Anabel Schröder über pferdegestütztes Coaching

Zitat Anabel Schröder

Was war der emotionalste Moment in 20 Jahren Coaching mit Pferden? 

Es gab zig emotionale Momente und eigentlich ist jedes Coaching mit Pferd für mich Magie. Denn immer wieder erstaunt mich, was Pferde auf eine Entfernung von mehreren Metern spüren können. Zum Beispiel wenn sie zu einem Menschen gehen, die in Trauer ist, hingehen und sich quer vor oder hinter die Person stellen, um ihr Schutz zu geben, sie anstupsen oder sich streicheln lassen – solange, bis es der Person besser geht.

Oder dass sie sich systemisch in das Thema das Klienten einbringen, eine Rolle übernehmen, so dass der Klient dann sagt: „genauso, wie das Pferd sich verhält, so verhält sich auch mein Chef/Mutter/Kind“.

Wir hatten mal eine sehr pferdeerfahrene Klientin, die das Pferd nicht von A nach B in der Reithalle führen konnte – die Klientin war äußerlich ruhig und souverän, das Pferd war total aufgeregt und verweigerte sich. Sie hatte einen Tag vorher von ihrer Kündigung erfahren und war innerlich immer noch sehr aufgewühlt.

Sie konnte sich so gut verstellen, dass es den meisten anderen in der Gruppe nicht aufgefallen ist, aber das Pferd hat es gespürt und ganz deutlich mit Aufregung und Nervosität reagiert.

Wer eignet sich wirklich für eine Ausbildung im pferdegestützten Coaching und wer nicht?

Die Ausbildung zum pferdegestützten Coach eignet sich im Grunde für alle, die Menschen weiterhelfen möchten und dazu ihre Pferde einsetzen wollen. Die Ausbildung ist nicht nur Wissensvermittlung, Praxis mit Pferd und Coaching-Übungen, sondern auch Selbstklärung und Selbstentwicklung – Teilnehmende gehen verändert raus, klarer, reifer, mehr in ihrer Mitte, wissen besser, was sie im Leben wirklich möchten.

Allerdings muss man sich bewusst sein, dass die wirkliche Arbeit erst nach der Ausbildung beginnt – denn ein Teil des Jobs als pferdegestützter Coach ist Positionierung, Akquise, Werbung, Kundengespräche, auch wenn man sich damit nicht selbständig machen will. Das muss man wollen.

Und für alle Coaches gilt: eine fundierte Coach Ausbildung oder Ausbildung zum psychologischen Berater sollte vorher oder nachher angestrebt werden, um für alle Themen gewappnet zu sein und hohe Qualität anbieten zu können.

Was möchten Sie Menschen gerne mitgeben, die spüren, dass Coaching mit Pferden ihre Berufung sein könnte und wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?

Wer Interesse an diesem Beruf oder Berufung hat, kann auf meine Internetseite gehen und bekommt dort mehr Information. Dort finden sie zum Beispiel einen Einstiegskurs (Online), der hilft, herauszufinden, ob pferdegestütztes Coaching für einen das Richtige ist. Dort findet man aber auch die Möglichkeit, an einem kostenfreien Informationstermin (Zoom) oder an einem live Schnupperseminar teilzunehmen, um uns und die Methode kennenzulernen.

Weiterhin empfehle ich mein Buch „Die Magie pferdegestützter Coachings“, in dem man viel über die Methode, aber auch wahre Beispiele anderer Coaches lesen kann.

Über Anabel Schröder

Anabel Schröder ist Gründerin und Inhaberin von „EQzellent® – Bildungszentrum für pferdegestützte Coachings“. Sie ist international zertifizierter Coach, international zertifizierte Mediatorin, psychologische Beraterin, Diplomkauffrau und ist als eine der TOP 100 Coaches 2025 im Magazin „Erfolg“ ausgezeichnet worden. Seit 2005 bietet sie Coachings mit Pferden an und gehört damit zu den Pionieren in diesem Feld, seit 2007 bildet sie andere auch darin aus. Sie hat außerdem an 5 Büchern zu dem Thema mitgewirkt.

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