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Christoph Heuermann sprengt deutsche Grenzen

Christoph Heuermann zählt im deutschsprachigen Raum zu den bekanntesten Stimmen, wenn es um Auswandern, internationale Freiheit und steuerlich kluge Lebensmodelle geht. Mit Staatenlos hat er eine Marke aufgebaut, die für viele Menschen längst zur ersten Anlaufstelle geworden ist, sobald Deutschland nicht mehr wie Zukunft, sondern wie Stillstand wirkt.

Im Interview spricht er Klartext über sinkende Lebensqualität, falsche Sicherheitsversprechen und die Chancen eines globalen Setups. Er erklärt, weshalb Auswandern für viele kein Weglaufen ist, sondern ein strategischer Neustart mit mehr Selbstbestimmung, besseren Optionen und echter Handlungsfreiheit.

Interview mit Christoph Heuermann

Interview Christoph Heuermann

Warum entscheiden sich immer mehr Menschen dafür, Deutschland zu verlassen?

Ich sage gerne scherzhaft, dass niemand bessere Werbung für staatenlos.ch macht, als die Bundesregierung selbst. Mittlerweile steckt da viel mehr Wahrheit drin, als ich anfangs selbst geglaubt habe.

Denn die Dinge liegen ja durchaus auf der Hand: Sinkende Lebensqualität bei steigenden Kosten. Immer mehr Abgaben für Dinge, die viele Menschen weder wollen,, noch beeinflussen können: angefangen von überzogenen Diäten für Hofreiter, Klingbeil und Konsorten, über massive Steuerverschwendung in dubiose Geldgräber, bis hin zu Beteiligungen an sinnlosen Kriegen und Konflikten.

Ich frage daher mal zurück:

  • Wann sind Sie zuletzt über eine der maroden Straßen bei Ihnen in der Ortschaft gepoltert?
  • Wann haben Sie zuletzt eine Baustelle gesehen, die einfach nicht fertig wird?
  • Wie stehen Sie dazu, dass Sie bei den horrenden Krankenkassenpflichtbeiträgen ein halbes Jahr und mehr auf einen Termin beim Arzt warten müssen?
  • Empfinden Sie den Unterrichtsausfall an der Schule Ihrer Kinder als normal?
  • Entsprechen die deutschen Großstädte ihrem Verständnis von Sauberkeit und Ordnung?
  • Blicken Sie freudig ihrem Rentenbescheid entgegen?

Die Liste könnte ich noch eine Weile weiterführen, aber klar wird doch eines:

Die Menschen sehen diese Leistungen und blicken auf Ihre Steuerbelastung. Preis und Leistung sind völlig aus dem Ruder gelaufen. Sie waren noch nie gut, aber das was wir jetzt erleben, ist schon kriminell. Steuern sind generell Raub.

Und wenn Sie in Deutschland bleiben, haben Sie nicht einmal eine Wahl.

Neben diesem kontinuierlichen Verlust der Lebensqualität haben die Menschen aber auch einfach Angst. Sie haben politische Angst, dass der Staat immer übergriffiger wird. Dass er einen in nicht allzu ferner Zukunft zwingt, gegen einen imaginären Feind (z. B. Russland) zu kämpfen. Sie haben aber auch Angst, dass er einem noch mehr wegnimmt, von dem, was sie sich aufgebaut haben.

Hinzu kommen die zunehmenden Sicherheitsbedenken im Alltag. Dass man sich selbst am helllichten Tag in öffentlichen Verkehrsmitteln unwohler fühlt. Dass ein normaler Spaziergang nach Einbruch der Dämmerung plötzlich einen Sicherheitsgedanken mit sich trägt.

Und das größte Problem ist, dass es keinen Trend gibt, der all diese Dinge irgendwie behebt. Im Gegenteil: Es wird sich in den kommenden Jahren alles nur beschleunigen, denn finanzierbar ist das alles nicht mehr. Warum sollte ich also in einem der teuersten Systeme bleiben, wenn es Optionen gibt, die nicht nur billiger, sondern auch deutlich bessere Gegenleistungen dafür bieten?

Die Frage müsste also eigentlich lauten, warum sich nicht noch viel mehr Menschen dafür entscheiden, Deutschland zu verlassen. Zum Glück erkennen das aber immer mehr Menschen. Sie erkennen, dass das, was man ihnen jahrelang für Stabilität verkauft hat, genau das Gegenteil ist.

Ist Auswandern für viele eine echte Chance oder eher eine Flucht vor ungelösten Themen?

Die eigentliche Flucht besteht doch nicht darin, ein Land zu verlassen, sondern darin, sich nicht mit der Realität auseinanderzusetzen. Es ist doch viel bequemer, sitzen zu bleiben, zu sehen, dass sich die Dinge um einen herum eher verschlechtern als verbessern und trotzdem einfach weiterzumachen, wie bisher und wie bekannt.

Sich damit nicht auseinanderzusetzen, sondern es auszuhalten und zu rationalisieren, ist die eigentliche Kapitulation. Das ist für mich Flucht vor der Wahrheit, Flucht in die Bequemlichkeit. Sich dagegen hinzusetzen und die unangenehmen Fragen zu stellen – was will ich eigentlich, wo will ich leben, unter welchen Bedingungen bin ich bereit zu arbeiten und zu leben – das ist anstrengend.

Für sich selbst einzustehen, anstatt ein wie auch immer geartetes Taschengeld vom Staat zu bekommen, das ist auf den ersten Blick schwieriger. Die meisten Menschen haben sich nie ernsthaft damit beschäftigt, in welchen Systemen sie überhaupt leben. Staatsbürgerschaft, Steuersystem, Schulbildung, gesellschaftliche Erwartungen – das wird alles einfach übernommen.

Dabei liegt hier genau die Chance, sich mit seinen ganz eigenen Bedürfnissen, Möglichkeiten und Zielen zu beschäftigen. Und vor allem Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, es aktiv und selber zu gestalten, anstatt es an eine vermeintlich höhere Instanz zu delegieren.

Genau hier setzt die „Flaggentheorie“ an. Man löst die einzelnen Lebensbereiche voneinander und platziert sie bewusst dort, wo sie am besten funktionieren.

  • Eine Firma in den USA, weil die Struktur effizient ist und man mit dem richtigen Setup steuer- und buchhaltungsfrei agieren kann.
  • Ein Wohnsitz in einem territorial besteuernden Land wie Costa Rica, Thailand oder Paraguay.
  • Investments in stabilen Jurisdiktionen wie Georgien, Singapur oder der Schweiz.
  • Eine internationale Krankenversicherung, die nicht nur einen Bruchteil der deutschen GKV kostet, sondern auch noch breitere Leistungen bietet.
  • Und wenn man das Ganze auf höchstem Niveau spielen will, ergänzt man es noch durch eine zweite Staatsbürgerschaft in einem möglichst krisensicheren Land – idealerweise weit weg von den großen Konfliktlinien.

Genau das habe ich übrigens selbst mit meinem Zweitpass in Vanuatu umgesetzt, den ich nun neben meiner deutschen Staatsangehörigkeit besitze. Seit einer Gesetzesänderung in 2024 ist das auch problemlos möglich.

Das hat alles nichts mit Weglaufen zu tun. Das ist die bewusste Entscheidung, die Spielregeln nicht einfach zu akzeptieren, sondern sie aktiv für sich zu nutzen. Das ist eine riesige Chance und das völlige Gegenteil von Flucht.

Was läuft aus Ihrer Sicht im aktuellen System so schief, dass immer mehr Menschen über Alternativen nachdenken?

Die ganzen Bereiche, die es betrifft, habe ich ja schon latent angerissen. Wichtiger ist aus meiner Sicht: Man sollte nicht erst anfangen, über Alternativen nachzudenken, wenn etwas schief läuft, sondern schon, wenn sich die Zeichen dazu zeigen.

Sie hatten keine Absicht, eine Mauer zu errichten, aber als sie dann stand, war der (wortwörtliche) Sprung über die Grenze deutlich schwieriger als vorher. Vorbereitung ist hier alles. Optionen schafft man sich nicht dann, wenn man sie dringend braucht, sondern lange vorher. Ich werbe seit über zehn Jahren für individuelle Freiheit und Eigenverantwortung.

Für die Idee, dass der Einzelne seine Souveränität zurückgewinnt, anstatt sie schrittweise abzugeben. Und wenn man sich aktuelle Entwicklungen anschaut, dann sieht man durchaus Signale, die man ernst nehmen sollte.

Wenn ein Staat beginnt, Gesetze wie die Wehrpflicht wieder anzupassen und gleichzeitig darüber spricht, die Bewegungsfreiheit für Menschen einzuschränken – so in diesem Jahr 2026 geschehen –, dann sind das keine theoretischen Gedankenspiele mehr, sondern konkrete Richtungsanzeigen. Das sollte man nicht einfach ignorieren.

Christoph Heuermann denkt Freiheit global

Zitat Christoph Heuermann

Welche größten Fehler machen Menschen, wenn sie ihr Leben ins Ausland verlagern wollen?

Den größten Fehler, den sie machen, ist sich einzureden, wie schwer und unmöglich das doch alles sei und tunlichst Gründe dafür finden, warum es alles gut klingt, aber für die eigene Situation eben doch nicht anwendbar ist. Das ist in meinen Augen Selbstverleugnung.

Zu unseren Kunden zählen sowohl Familien mit Kindern oder Alleinerziehende, genauso wie chronisch Kranke oder ehemalige Beamte, Immobilienbesitzer oder auch Menschen, die mit nahezu nichts starten. Es geht. Wobei man fairerweise sagen muss: Das kommt nicht von ungefähr.

Über Jahrzehnte wird einem beigebracht, dass man sich in ein System einfügt. Steuern zahlt man eben. Alternativen stellt man nicht infrage. Und im Ausland ist es angeblich auch nicht besser. Oder wie Friedrich Merz kürzlich gefragt hat: Nennen Sie mir doch einmal drei, vier Länder, in denen es besser ist als in Deutschland. Wie entlarvend für diese Denkweise.

Mir würden spontan sogar noch ein paar mehr einfallen – je nachdem, was man sucht. In vielen Ländern Osteuropas oder Asiens ist es sauberer, sicherer und steuerlich interessanter. Ich empfehle jedem, einfach mal einen Abendspaziergang in Dubai, Singapur, Tokio oder Sydney zu machen und das mit Köln, Hamburg, Frankfurt oder Berlin zu vergleichen. Vielleicht fällt dem ein oder anderen etwas auf.

Aber man muss nicht mal weit reisen: Polen hat in vielen Bereichen ein deutlich gerechteres Steuersystem. Die Niederlande sind beim Thema Digitalisierung und Verwaltung meilenweit voraus und bieten, wenn man es möchte, ein funktionierendes Sozialsystem. Die Schweiz liegt im Gesamtpaket vermutlich überall vorn – auch wenn sie genauso vom Niedergang betroffen ist. Der größte Fehler sind also die eigenen Glaubenssätze.

Natürlich gehört zu der Entscheidung auch Planung, Mut und Geduld. Und gerade wenn es darum geht, sich steuerlich und unternehmerisch neu aufzustellen – im Idealfall steuerfrei im Ausland – gibt es einige Fallstricke, die es zu beachten gilt.

Man ist nicht einfach aus der unbeschränkten Steuerpflicht raus, nur weil man sich in Deutschland abgemeldet hat. Aber alles ist machbar, und dafür gibt es ja letztendlich auch uns. Wir können anders als deutsche Steuerberater – ich nenne sie auch gerne liebevoll „Steuerverbrater“ – international beraten und sind nicht an die Limitierungen des deutschen Steuerberatungsgesetzes gebunden.

Das erst ermöglicht uns, wirklich umfassend zu beraten. Zudem habe ich alle Länder der Welt besucht, auch, um mir einen Eindruck vor Ort zu verschaffen.

Für wen ist ein internationaler Lifestyle wirklich sinnvoll und wer sollte besser bleiben?

Dafür muss man sich eigentlich nur die Bevölkerungsentwicklung anschauen: Schauen Sie sich an, wer nach Deutschland kommt und schauen Sie sich an, wer geht. Auch wenn ich natürlich sehr verallgemeinernd spreche, bildet diese „natürliche“ Bewegung schon ganz gut ab, wie der Hase läuft: Wer kann, der geht. Und wer nichts hat, der kommt.

Ich mache niemandem einen Vorwurf, so wie die Anreize gesetzt sind, ist das alles ein völlig logischer Umstand. Damit sich dieses Ungleichgewicht nicht noch verfestigt, empfiehlt es sich nahezu jedem, sich zumindest einmal nach Alternativen umzusehen – ja, sogar Beamte, die sich in vermeintlicher Sicherheit (oder mit anderen Worten: „totale Abhängigkeit“) wiegen.

Ich würde wirklich nur einer Handvoll Personen raten zu bleiben: nämlich allen, die vom Staat alimentiert werden, in Abhängigkeit vom Staat stehen und es auch bleiben wollen. Wer keine Lust hat, zu arbeiten und sich was eigenes zu erschaffen, der sollte nicht gehen.

Denn dafür ist Deutschland tatsächlich unangefochtene Nummer 1 und das weltweit. Leider trifft das ja auf fast 80% der deutschen Bevökerung zu, weshalb die meisten Menschen dann eben doch bleiben.

Jedem anderen, der auf seine eigene Schöpfungskraft vertraut oder bereits ein lukratives Business führt; oder auch, wer einfach sein Vermögen (zusammen mit sich selber) sicher aus dem Land bringen möchte, den erwarten im internationalen Kontext einfach viel bessere Möglichkeiten.

Das ist ja genau das, was wir machen – wir nennen das die „Flaggentheorie“: Setze überall dort auf der Welt eine Flagge, die dir das beste Umfeld bietet.

Zum Beispiel eine Firma in den USA, um mit dem richtigen Wohnsitz steuer- und buchhaltungsfrei zu operieren. Einen Wohnsitz in einem territorial besteuernden Land, wie bspw. Costa Rica, Thailand oder Paraguay, Investments in Georgien, Singapur oder der Schweiz und vielleicht noch – wenn ich die Flaggentheorie auf höchstem Niveau spielen will – noch eine zweite Staatsbürgerschaft in einem krisensicheren Land, z. B. einer Inselnation weit weg von allem Weltgeschehen.

Ich selbst bin seit gut einem Jahr auch Staatsbürger von Vanuatu geworden, einfach auch, um einen Plan B zu haben.

Wie gelingt der Schritt raus aus Deutschland strategisch sinnvoll und wie kann man mit Ihnen zusammenarbeiten?

Der Schritt ins Ausland funktioniert dann am besten, wenn man ihn als echte, bewusste Neuausrichtung des eigenen Lebens betrachtet. Wenn man strukturiert vorgeht, kann man sich Rahmenbedingungen schaffen, die deutlich besser zu den eigenen Zielen passen.

Entscheidend ist, die verschiedenen Lebensbereiche sinnvoll aufeinander abzustimmen: Wohnsitz, Steuerstruktur, Unternehmenssetup, Staatsbürgerschaft, Bankverbindungen, Versicherungen, Investments, usw. Wenn diese und andere Elemente sauber zusammenspielen, entsteht daraus ein stabiles und langfristig tragfähiges Setup.

Genau das machen wir mit staatenlos.ch jetzt seit rund 11 Jahren. In dieser Zeit haben wir ein breites Netzwerk und Lösungen in über 100 relevanten Bereichen, Dienstleistungen und Produkten aufgebaut.

Wichtig ist dabei: Es gibt keine Einheitslösung. Jeder hat andere Ziele, Voraussetzungen und Prioritäten. Deshalb entwickeln wir individuelle Strategien, die nicht nur auf dem Papier gut aussehen, sondern auch in der Praxis rechtssicher und nachhaltig funktionieren. Man muss nur bereit sein, sein Leben in die eigene Hand nehmen zu wollen.

Über Christoph Heuermann

Christoph Heuermann, geboren 1990 im ostwestfälischen Herford, ist Unternehmer, Autor, Investor, Extremreisender und einer der bekanntesten Strategieberater im deutschsprachigen Raum für internationale Steueroptimierung, globale Diversifikation und individuelle Freiheit.

Als Gründer von Staatenlos.ch unterstützt er seit über einem Jahrzehnt Menschen dabei, sich rechtlich sauber, steuerlich effizient und geografisch flexibel aufzustellen. Er hat alle Länder und Territorien der Welt bereist und setzt die von ihm vermittelten Strategien selbst konsequent um. Sein Ansatz: Freiheit ist keine Theorie, sondern eine Frage der richtigen Struktur und eigener Entscheidungen.

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