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Alternativen zu Google Drive – der stille Deal, den Google gerade gekündigt hat

Neulich wollte jemand aus meiner Redaktion sich einen neuen Google-Account einrichten. Kein Drama, dachte er. Ein Klick, ein Passwort, fertig. Stattdessen starrte er auf eine Meldung: 5 GB kostenloser Speicher. Nicht 15, wie er es aus jahrelanger Erfahrung kannte.

Fünf. Google hat im März 2026 leise die Regeln geändert – wer beim Anlegen eines neuen Kontos keine Telefonnummer hinterlegt, bekommt nur noch ein Drittel des gewohnten Gratis-Speichers. Erst mit Nummer gibt’s die volle Dröhnung. Bestandskonten bleiben verschont, offiziell soll das Spam-Konten eindämmen. Klingt plausibel.

Fühlt sich trotzdem an wie der Moment, in dem eine Bar plötzlich Eintritt verlangt, obwohl der Cocktail schon zwei Jahre den gleichen Preis hatte.

Und genau da beginnt das eigentliche Thema. Nicht bei der Frage, ob Google Drive gut oder schlecht ist. Sondern bei der Frage, wie sehr wir uns eigentlich noch auf einen einzigen Anbieter verlassen wollen, der nebenbei Werbung verkauft, E-Mails scannt und Konditionen ändert, wann es ihm passt.

Dropbox, OneDrive und iCloud – die bequeme Standardlösung

Cloud-Speicher ist längst kein Nischenthema mehr, sondern digitale Grundversorgung, ungefähr auf Augenhöhe mit Strom und Wasser – nur dass niemand einem Stromanbieter zutraut, heimlich mitzulesen, was man kocht.

Wer nach einer Alternative zu Google Drive sucht, landet meistens ziemlich schnell bei den üblichen Verdächtigen: Dropbox, das den Cloud-Speicher quasi erfunden hat und mit 2 GB Gratis-Tarif inzwischen fast schon geizig wirkt.

OneDrive, das brav 5 GB gibt und dafür tief in Microsofts Office-Ökosystem verwurzelt ist. iCloud, das ebenfalls bei 5 GB startet und nur dann wirklich Sinn ergibt, wenn man ohnehin mit einem iPhone in der Tasche durchs Leben läuft. Alles solide. Alles bequem. Alles amerikanisch, mit allem, was das rechtlich bedeutet.

Alternativen zu Google Drive, wenn aus einer Frage ein Prinzip wird

Alternativen zu Google Drive, wenn aus einer Frage ein Prinzip wird

Die eigentlich interessante Bewegung passiert gerade woanders. Immer mehr Menschen googeln nicht mehr nur „Alternative zu Google Drive“, sondern gleich „Alternativen zu Google“ – ein kompletter Rückzug aus dem Ökosystem, nicht nur aus einem einzelnen Dienst.

Das ist ein anderes Kaliber. Da geht es nicht mehr um ein paar Gigabyte, sondern um Prinzip.

Proton Drive und die Sache mit der Privatsphäre

Hier kommt Proton ins Spiel, der Schweizer Anbieter, der sich mit VPN und verschlüsselter Mail schon einen Ruf als Datenschutz-Fanatiker erarbeitet hat. Proton Drive bietet 5 GB kostenlosen Speicher, Ende-zu-Ende-verschlüsselt, und zwar nicht nur im teuren Tarif, sondern schon gratis.

Selbst Proton kann technisch nicht sehen, was in den Dateien liegt. Kein Marketingversprechen, sondern Architektur.

Die Sync-Geschwindigkeit gilt in unabhängigen Tests als eine der langsameren im Vergleich.

Wer viele große Dateien schiebt, merkt das. Wer hauptsächlich Verträge, Steuerunterlagen oder private Fotos sichert, merkt es kaum.

Der Haken an der Verschlüsselung

Kleiner Einschub, weil ich mir das nicht verkneifen kann: Es gibt diese Sorte Mensch, die bei jedem Cloud-Anbieter zuerst nach dem Firmensitz fragt, aber dann trotzdem WhatsApp nutzt. Ich verurteile das nicht – ich bin selbst so ein Mensch. Digitale Konsequenz ist ein Ideal, kein Zustand, den irgendjemand von uns dauerhaft hält.

Trotzdem ändert das nichts daran, dass der Unterschied zwischen „meine Daten liegen bei einem US-Konzern, der dem Cloud Act unterliegt“ und „meine Daten liegen verschlüsselt in der Schweiz“ kein Detail für Paranoiker ist, sondern eine legitime, nüchterne Abwägung.

HiDrive und Nextcloud – die europäische Alternative zu Google Drive

Wer’s noch deutscher mag: HiDrive von Strato/IONOS speichert ausschließlich in deutschen Rechenzentren, ISO-27001-zertifiziert, DSGVO-konform bis in die Fußnoten.

Einen dauerhaft kostenlosen Speicher gibt es dort allerdings nicht – wer HiDrive will, zahlt von Anfang an, dafür ohne die üblichen Kompromisse bei Serverstandort und Zuständigkeit. Das ist die Europäische Alternative zu Google Drive für alle, denen Rechtssicherheit wichtiger ist als ein Gratis-Tarif.

Nextcloud: kostenloser Speicher ganz ohne Zwischenhändler

Und dann gibt es noch die radikalste Option von allen: Nextcloud. Kein Anbieter im klassischen Sinn, sondern Software, die man sich selbst auf einen eigenen Server oder ein NAS-Gerät zuhause installiert.

Kein fremdes Unternehmen sieht auch nur einen Byte der eigenen Dateien, weil es schlicht keinen Zwischenhändler gibt. Der Preis dafür ist Eigenverantwortung: Updates, Backups, Sicherheitslücken – alles Chefsache. Für die einen klingt das nach Freiheit. Für die anderen nach einem zweiten Job.

Kostenloser Speicher jenseits der bekannten Namen

Kostenloser Speicher jenseits der bekannten Namen

Zwischen diesen Polen – bequemer US-Riese auf der einen Seite, komplette Selbstverwaltung auf der anderen – bewegt sich der Rest der Anbieterlandschaft.

Wer kostenlosen Speicher jenseits der bekannten Namen sucht, landet außerdem oft bei MEGA mit 20 GB Gratis-Volumen und eigener Zero-Knowledge-Verschlüsselung, was das großzügigste Angebot unter den bekannteren Diensten ist, allerdings mit begrenztem monatlichen Transfervolumen.

Cloud-Speicher ist kein neutrales Thema mehr

Am Ende bleibt die eigentliche Antwort auf die Frage „Was ist die beste Alternative zu Google Drive“ unbefriedigend simpel: Es kommt darauf an, was einem mehr wert ist – Bequemlichkeit oder Kontrolle, Gratis-Gigabyte oder Verschlüsselung, Ökosystem oder Unabhängigkeit.

Google Drive bleibt für die meisten die pragmatischste Wahl, weil es funktioniert, integriert ist und trotz der jüngsten Kürzung bei neuen Konten immer noch zu den großzügigeren Gratis-Angeboten zählt. Proton Drive ist die Antwort für alle, die Privatsphäre nicht verhandeln wollen. HiDrive und Nextcloud sind die Antwort für alle, die „Made in Europe“ wörtlich nehmen.

Vielleicht ist die eigentlich spannende Entwicklung aber gar nicht, welcher Anbieter gewinnt. Sondern dass wir überhaupt wieder anfangen, uns diese Frage zu stellen – nachdem wir ein Jahrzehnt lang unsere gesamte digitale Existenz kommentarlos in eine einzige, kostenlose, allzu bequeme Wolke gekippt haben. Fünf Gigabyte weniger, und plötzlich denkt man wieder nach. Manchmal braucht es eben genau so wenig.

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