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Können bei der Wertpapieranlage besondere Risiken auftreten? 

Es gibt diesen einen Moment beim Online-Banking, in dem man kurz stolz ist. Das Depot ist eröffnet, die erste Aktie gekauft, das Kurschärtchen zeigt grün. Für zwei Wochen fühlt man sich wie ein kleiner Warren Buffett aus Vorstadt-Reihenhaus.

Und dann kommt der Tag, an dem das Chärtchen rot wird, und plötzlich merkt man: Niemand hat einem gesagt, dass Wertpapiere nicht nur Kursgewinne verteilen, sondern auch Enttäuschungen, und zwar in mehreren Geschmacksrichtungen.

Wertpapierwissen, das man sich lieber vorher angeeignet hätte

Wer eine Aktie kauft, kauft nicht einfach ein Stück Papier mit Firmenlogo drauf, sondern einen Anteil an einem Unternehmen, mit allem, was dazugehört – Gewinnbeteiligung, Stimmrecht, und eben auch das volle Risiko, dass es schiefgeht.

Genau das ist der Kern von Wertpapierwissen, das in keiner Bankwerbung Platz findet: Chancen und Risiken sind bei der Wertpapieranlage keine zwei getrennten Schubladen, sondern zwei Seiten derselben Medaille.

Höhere Rendite gibt es fast nie ohne höheres Risiko, und wer das Gegenteil verspricht, verkauft meistens etwas anderes als seriöse Wertpapiere.

Können bei der Wertpapieranlage besondere Risiken auftreten?

Können bei der Wertpapieranlage besondere Risiken auftreten

Das Marktrisiko schläft nie

Das banalste, aber hartnäckigste Risiko heißt Marktrisiko. Kurse schwanken, weil Zinsen sich ändern, Konjunkturdaten enttäuschen, Kriege ausbrechen oder ein CEO auf einer Pressekonferenz das Falsche sagt.

Das betrifft nicht nur einzelne Aktien, sondern ganze Branchen, manchmal ganze Kontinente gleichzeitig. Die Rendite, die man sich erhofft, ist am Ende nichts anderes als eine Belohnung dafür, dieses Auf und Ab überhaupt auszuhalten. Wer das nicht kann, sollte ehrlich zu sich sein, bevor er zum ersten Mal eine Order abschickt.

Wenn der Emittent kippt

Weniger bekannt, aber am Ende oft schmerzhafter, ist das Emittentenrisiko. Hinter jedem Wertpapier steht ein Herausgeber – ein Unternehmen, eine Bank, manchmal ein ganzer Staat. Wird dieser Emittent zahlungsunfähig, haften Anlegerinnen und Anleger im schlimmsten Fall mit einem Totalverlust ihres eingesetzten Kapitals.

Es gibt hier keinen Einlagenschutz wie beim Sparbuch, keine automatische Rettung.

Bei Anleihen insolventer Staaten hat man das in Europa schon live miterlebt, mit Gläubigern, die am Ende auf einem Bruchteil ihrer Forderungen sitzen blieben. Das ist keine Panikmache, das ist einfach die Mechanik hinter dem schönen Wort „Wertpapier“.

Wechselkursrisiko: Reisen ohne Rückflug-Garantie

Kauft man Wertpapiere in Fremdwährung, etwa US-Aktien in Dollar, schleicht sich ein zweiter Faktor ein, der mit dem eigentlichen Unternehmen gar nichts zu tun hat: das Wechselkursrisiko.

Steigt der Euro gegenüber dem Dollar, kann aus einem Kursgewinn in der Fremdwährung nach der Umrechnung plötzlich ein Verlust werden – und umgekehrt natürlich auch das Gegenteil.

Es ist ein bisschen wie im Urlaub Geld zu tauschen und danach festzustellen, dass der Wechselkurs sich über Nacht gegen einen verschworen hat, nur eben mit deutlich mehr Geld im Spiel.

Fonds und ETFs als Sammelbecken der Nerven

Genau deshalb setzen viele auf Fonds oder ETFs, weil dort nicht das Schicksal eines einzelnen Unternehmens über Wohl und Wehe entscheidet, sondern ein ganzer Korb aus Wertpapieren. Das reduziert das unternehmensspezifische Risiko spürbar, schafft es aber nicht ab – Marktrisiko und teilweise auch Wechselkursrisiko reisen einfach mit, nur eben etwas verdünnter.

Ein ETF auf den amerikanischen Aktienmarkt schützt vor der Pleite einer einzelnen Firma, nicht aber davor, dass der gesamte US-Markt einen schlechten Tag, ein schlechtes Jahr oder eine schlechte Dekade hat.

Die fünf Gesichter des Risikos

Die fünf Gesichter des Risikos

Wer ernsthaft mit Wertpapieren handeln will, kommt an fünf Grundrisiken nicht vorbei, auch wenn kaum jemand sie am Anfang alle auf dem Schirm hat.

Da wäre erstens das Marktrisiko, also die allgemeine Kursschwankung. Zweitens das Bonitäts- beziehungsweise Emittentenrisiko, also die Gefahr, dass der Herausgeber des Papiers zahlungsunfähig wird. Drittens das Währungsrisiko bei Anlagen in Fremdwährungen.

Viertens das Zinsänderungsrisiko, das vor allem Anleihen betrifft, deren Kurse fallen, wenn die Zinsen am Markt steigen. Und fünftens das Liquiditätsrisiko – die unangenehme Möglichkeit, ein Wertpapier gerade dann nicht oder nur mit hohem Preisabschlag verkaufen zu können, wenn man das Geld eigentlich dringend bräuchte.

Es ist erstaunlich, wie viele Menschen bei der Berufswahl eines Fondsmanagers mehr Sorgfalt walten lassen als bei der Frage, ob sie überhaupt verstehen, was Liquiditätsrisiko bedeutet.

Man vertraut lieber blind auf einen sympathischen Namen im Werbeprospekt, als fünf Minuten in echtes Wertpapierwissen zu investieren.

Ironischerweise ist genau diese Bequemlichkeit selbst ein Risikofaktor, nur steht der in keiner Statistik.

Handeln mit Wertpapieren ist kein Casino, fühlt sich aber manchmal so an

Der Unterschied zwischen seriösem Handeln mit Wertpapieren und Glücksspiel liegt nicht darin, dass beim einen nichts schiefgehen kann, sondern darin, dass man die Risiken kennt, bevor man sie eingeht. Ein Staatsanleihen-Investor, der weiß, dass im Insolvenzfall ein Staat seine Gläubiger nur teilweise bedient, trifft eine informierte Entscheidung.

Wer einfach kauft, weil ein Kollege im Büro von einer heißen Aktie geschwärmt hat, spielt eher Roulette mit Excel-Tabelle. Beides sieht am Bildschirm erstaunlich ähnlich aus, fühlt sich aber komplett unterschiedlich an, sobald der erste Kurssturz kommt.

Am Ende bleibt die eigentliche Frage nicht, ob bei der Wertpapieranlage besondere Risiken auftreten können, sondern ob man bereit ist, sie sich vorher anzuschauen, statt sie erst beim ersten roten Chärtchen kennenzulernen. Die grüne Zahl im Depot fühlt sich nämlich nur so lange gut an, wie man nicht weiß, wie schnell sie rot werden kann – und warum.

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