Remote- und Hybridarbeit ist mittlerweile vielerorts zur Normalität geworden. Mit der Distanz ändert sich aber auch, wie Teams miteinander arbeiten und sich miteinander verbunden fühlen. Wo früher der informelle Kaffee in der Büroküche ausreichte, um sich zu verbinden, fehlt dieser Austausch heute oft ganz. Was also tun, um auch bei Bildschirmsitzungen einen echten Zusammenhalt zu konstruieren, ohne dass es gleich künstlich wirkt?
Warum Distanz den Teamzusammenhalt schwächt
Gruppen entwickeln sich nach einem bestimmten Muster. Bruce Tuckman hat in den 1960er Jahren ein Phasenmodell beschrieben, das vier Phasen nennt (Forming, Storming, Norming, Performing). In jeder dieser Phasen entwickeln die Beteiligten Vertrauen zueinander über wiederholte, meist informelle Interaktion. Genau diese Interaktion fehlt aber oft in verteilten Teams. Kurze Gespräche zwischen den Meetings, gemeinsame Pausen oder spontane Rückfragen am Arbeitsplatz finden online seltener statt. Das liegt daran, dass jede Kommunikation einen bewussten Schritt erfordert, wie zum Beispiel das Verfassen einer Nachricht oder den Start eines Videoanrufs.
Zusätzlich geht die Übertragung nonverbaler Signale verloren. Elemente wie Mimik, Körperhaltung und Tonfall können in Chat-Nachrichten kaum vermittelt werden, was zu Missverständnissen führen kann. Teams, die vorwiegend asynchron kommunizieren, benötigen meist länger, um ein stabiles Vertrauensverhältnis zu entwickeln, im Vergleich zu Teams, die regelmäßig persönlichen Kontakt haben. Die Psychologin Amy Edmondson beschreibt mit dem Konzept der psychologischen Sicherheit, wie wichtig das Gefühl ist, offen sprechen zu können, um die Leistung eines Teams zu steigern. Dieses Gefühl entsteht jedoch nicht von selbst, sondern muss durch wiederholte positive Erfahrungen gefördert werden.
Strukturierte Formate wie virtuelle Teamevents können diese Lücke gezielt schließen, da sie einen festen Rahmen für gemeinsame Erlebnisse bieten, der im Arbeitsalltag oft fehlt. Entscheidend ist dabei weniger das einzelne Event, sondern vielmehr die Regelmäßigkeit, mit der solche Gelegenheiten geschaffen werden. Einmalige Aktionen können schnell wie ein Pflichttermin erscheinen, während ein kontinuierlicher Rhythmus über Wochen und Monate Vertrauen aufbaut.
Bewährte Formate in der Praxis
Nicht jedes Format ist für jedes Team geeignet. Drei Kriterien helfen bei der Auswahl:
- Interaktivität: Wie aktiv werden die Teammitglieder eingebunden?
- Einbindung aller Zeitzonen: Damit kein Teammitglied systematisch benachteiligt wird.
- Thematische Passung: Passen die Formate zur Teamkultur und zur bisherigen Zusammenarbeit?
Regelmäßige, kurze Check-ins zu Beginn der Woche bieten einen unkomplizierten Rahmen für persönlichen Austausch, ohne den Arbeitsalltag wesentlich zu stören. Sie können jedoch nicht die tiefergehenden Bindungserlebnisse ersetzen und sind vor allem als ergänzende Maßnahme zu größeren Formaten gedacht.
Gemeinsame virtuelle Workshops, die ein klares Ziel wie Problemlösung oder Ideenentwicklung verfolgen, vereinen fachliche Relevanz mit Teamerfahrungen. Sie passen hervorragend zu Teams, die ohnehin projektbasiert zusammenarbeiten und eine klare Agenda gewöhnt sind.
Erlebnisorientierte Online-Formate wie gemeinsames Kochen, Quizisieren oder geführte Workshops zu einem praktisch zu erledigenden Thema berühren eine andere Ebene als Arbeitsmeetings. Sie funktionieren am besten, wenn die Teilnahme freiwillig ist und ausreichend Platz für lockere Gespräche eingeplant wird. Ein Zeitrahmen von 60 bis 90 Minuten hat sich bewährt, denn längere Formate überfordern die Aufmerksamkeit über Video-Calls erfahrungsgemäß. Kurze Pausen zwischen den Programmpunkten steigern die Konzentration spürbar, vor allem bei Tagungsteilnehmern aus verschiedenen Zeitzonen.
Wie Führungskräfte Formate richtig handhaben

Die Wahl des Formats ist nur die eine Seite der Medaille. Entscheidend ist die Einbindung in eine längerfristige Strategie zur Teamentwicklung. Einzelne Veranstaltungen ohne kontinuierlichen Nachklang verlieren schnell ihre Wirkung. Im Gegensatz dazu tragen regelmäßige und gut abgestimmte Maßnahmen dazu bei, Vertrauen schrittweise aufzubauen. Im Coaching-Bereich orientieren sich zahlreiche Fachkräfte an Kompetenzrahmen wie dem der International Coaching Federation, der die Schaffung vertrauensvoller Beziehungen als eine der zentralen Kernkompetenzen festlegt. Diese Standards lassen sich ebenfalls auf die Planung von Teamformaten anwenden.
Bevor Führungskräfte mit der Planung beginnen, sollten sie klar definieren, welches Ziel das jeweilige Format verfolgt. Geht es beispielsweise darum, neue Mitglieder informell kennenzulernen, eine stressige Projektphase zu verarbeiten oder die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Abteilungen zu stärken? Die Zielsetzung bestimmt, ob ein lockeres oder ein strukturierteres Format besser geeignet ist. Auch die Gruppengröße spielt eine wesentliche Rolle; Formate, die aktive Teilnahme erfordern, sollten ab etwa fünfzehn Teilnehmenden in kleinere Gruppen unterteilt werden, um einen echten Austausch zu fördern.
Die Effektivität der Maßnahmen lässt sich durch einfache Indikatoren messen, wie etwa die Teilnahmequote, das anschließende Feedback oder Veränderungen im Kommunikationsverhalten innerhalb des Teams. Bleibt die Resonanz über mehrere Veranstaltungen hinweg gering, kann es sinnvoll sein, das Format oder die Frequenz zu ändern, anstatt am bestehenden Konzept festzuhalten. Einige Teams reagieren besser auf kleinere, häufigere Formate, während andere seltenere, aber aufwendigere Events bevorzugen.








