Marketing

Wie KI die Spielregeln im Online-Marketing verändert

Seit Ende 2022 hat sich eine fundamentale Verschiebung vollzogen. Mit dem rasanten Aufstieg von KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude und DeepSeek stellen Nutzer keine zehn blauen Links mehr zusammen – sie erwarten präzise, fertige Antworten. Die Spielregeln im Online-Marketing wurden damit neu geschrieben, ob man will oder nicht.

Das zeigen die Zahlen deutlich: Laut einer Analyse der Agentur Wordsmattr.io verzeichnen deutschsprachige Websites seit Einführung von Googles KI-Antworten im Schnitt 17,8 Prozent weniger Klicks. Eine Umfrage vom April 2025 unter 150 kleinen und mittleren Unternehmen bestätigt diesen Trend – 19 Prozent der befragten KMU melden Rückgänge beim organischen Traffic. Interessant dabei: 49 Prozent stellen keine Veränderung fest, und bemerkenswerte 16 Prozent berichten sogar von Steigerungen. Die Lage ist also komplexer als oft dargestellt.

Warum KI die Grundregeln des digitalen Marketings neu definiert

Jahrelang drehte sich fast alles um Google. Das klassische SEO-Spiel war klar: Keywords recherchieren, technisch sauber aufstellen, Backlinks aufbauen, in den Top-3 landen. Dieses Modell funktioniert noch – aber es reicht nicht mehr allein. Eine Semrush-Studie belegt, dass sich zwischen Juli und November 2024 die Zahl der Domains, die von ChatGPT angesteuert wurden, schlicht verdreifacht hat. Das ist kein Randphänomen.

Rund 70 Prozent der Suchanfragen lassen sich heute nicht mehr klassischen Suchintentionen zuordnen. Nutzer formulieren komplexe, gesprächsartige Fragen – und ein Drittel der Generation Z nutzt KI-Chatbots bereits als primäre Informationsquelle. Ein Viertel davon greift ausschließlich oder häufiger auf KI-Alternativen zurück als auf Google. Für Marketer bedeutet das: Wer nur für Suchmaschinen schreibt, verliert eine ganze Generation. Das gilt auch für stark umkämpfte Themenbereiche wie Wettanbieter Deutschland, in denen sich Inhalte zunehmend an neue Suchgewohnheiten anpassen müssen.

Parallel dazu verändert Apple Intelligence mit iOS 18.4 das E-Mail-Marketing grundlegend. Apple Mail fasst Nachrichten selbst zusammen – der klassische Preheader, jahrelang ein bewährtes Werkzeug im Newsletter-Marketing, verliert dadurch massiv an Steuerungskraft. Inhalte müssen jetzt schon im ersten Satz überzeugen, nicht erst im dritten.

Auch Retail Media verändert die Werbelandschaft strukturell. Amazon generiert über 30 Milliarden US-Dollar allein durch die Vermarktung seines Shop- und Marktplatzinventars – als Pionier und Katalysator für diesen Kanal. Anbieter wie Zalando, eBay und die Otto Group Media folgen diesem Modell. Der entscheidende Vorteil: Nutzer befinden sich bereits in Kaufabsicht und verlassen die Plattform nicht, anders als bei klassischer Google-Werbung.

GEO vs. SEO: Was sich wirklich verändert hat

GEO vs. SEO: Was sich wirklich verändert hat

Generative Engine Optimization – kurz GEO, auch als LLMO oder AEO bezeichnet – ist kein SEO mit neuem Namen. Das Ziel ist ein anderes. Während klassisches SEO auf Rankings und Klicks abzielt, geht es bei GEO darum, in den Antworten von KI-Systemen erwähnt und zitiert zu werden. Wer in diesen Antworten nicht auftaucht, findet kaum noch statt – selbst bei hochwertigen Inhalten.

Der Unterschied liegt im Kern:

  • SEO führt Nutzer auf die Website über Rankings und Links
  • GEO beeinflusst, was Nutzer glauben, bevor sie überhaupt klicken
  • Klassische Keywords werden durch konversationelle Prompts ergänzt
  • Autorität entsteht durch fachliche Tiefe, Quellen und Daten – nicht durch Keyword-Dichte

Perplexity.ai war die erste KI-Suchmaschine, die konsequent Quellen anzeigte – dieser Schritt hat den Wettbewerb fundamental verändert. Heute analysieren KI-Systeme Breite, Tiefe und Konsistenz einer gesamten Website, nicht einzelne Seiten isoliert.

Das wahrscheinlichste Szenario ist Koexistenz: SEO bleibt Pflichtprogramm, GEO wird zur entscheidenden Ergänzung. Googles E-E-A-T-Prinzipien – Erfahrung, Expertise, Autorität, Vertrauenswürdigkeit – gewinnen für beide Welten an Bedeutung.

Konkrete Maßnahmen, die heute schon wirken

Frankly: Wer jetzt wartet, verliert wertvolle Zeit. KI-Systeme trainieren auf dem heutigen Web. Je früher eine Website als vertrauenswürdige Referenzquelle etabliert wird, desto tiefer verankert sie sich in den Datensätzen der nächsten KI-Generation.

Inhaltlich bedeutet das: Statt Keyword-Listen abzuarbeiten, relevante Fragen der Zielgruppe identifizieren und im Q&A-Format beantworten. KI-Modelle bevorzugen klare Strukturen – Überschriften, FAQ-Bereiche, kurze in sich geschlossene Abschnitte. Unstrukturierter Fließtext wird schlechter verarbeitet.

Technisch zählen weiterhin Core Web Vitals, Seitengeschwindigkeit und Mobile-Optimierung – Faktoren, die sowohl Google als auch KI-Suchmaschinen verwerten. Schema-Markup für Artikel, Produkte, FAQs und Personen verbessert zusätzlich die maschinelle Interpretierbarkeit. Vertrauenssignale gehören sichtbar gemacht: Autorenschaft, Aktualisierungsdatum, verwendete Studien und Datenquellen.

Im B2B-Bereich ist GEO besonders wirkungsvoll. Entscheider recherchieren früh, oft anonym und ohne direkten Kontakt. Wer in der Awareness-Phase in KI-Antworten auftaucht, sitzt früher am Tisch. Gleichzeitig lohnt es sich, alternative Touchpoints konsequent auszubauen: LinkedIn, Newsletter, Podcasts und Fach-Communities kompensieren sinkende organische Klicks und bauen eine direkte Zuhörerschaft auf – unabhängig von Algorithmen, die sich morgen schon wieder ändern können.

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